SOS Übungen: Wie du schnell aus der Hilflosigkeit kommst

Die Herausforderungen, die mit der Betreuung eines behinderten oder chronisch kranken Kindes einhergehen, können überwältigend sein. Es ist völlig normal, sich manchmal hilflos und überfordert zu fühlen. Ich stelle dir verschiedene Strategien und SOS-Übungen vor, die dir in solchen Momenten helfen können, wieder Kontrolle und Gelassenheit zu erlangen.

Jede Situation, jeder Mensch, jede Herangehens­weise ist individuell

Jeder erlebt den Schock und die Hilflosigkeit auf seine eigene Weise. Es gibt keinen festgelegten Weg, damit umzugehen und es gibt definitiv keine „richtige“ oder „falsche“ Art und Weise, mit diesen Gefühlen umzugehen. Die Phase des Schocks und der Hilflosigkeit ist höchst persönlich und individuell. Der erste, entscheidende Schritt besteht darin, dir bewusst zu machen, dass es viele unterschiedliche Ansätze gibt, um Unterstützung zu finden und mit dieser Situation umzugehen. Jeder Mensch ist einzigartig und dementsprechend können die Bewältigungsstrategien variieren.

Einige Eltern suchen in dieser Phase aktiv nach sozialer Unterstützung. Sie knüpfen Kontakte zu anderen Eltern, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben und finden Trost und Rat in dieser Gemeinschaft. Der Austausch von Erfahrungen kann helfen, das Gefühl der Isolation zu überwinden und die Last zu teilen.

Andere konzentrieren sich darauf, die Kontrolle wiederzuerlangen, indem sie aktiv Wissen ansammeln. Das kann bedeuten, Bücher zu lesen, Filme anzuschauen und sich analytisch mit dem Thema auseinanderzusetzen. Der Wissenserwerb kann ein Weg sein, um Unsicherheit und Angst zu verringern.

Es gibt auch Eltern, die sofort handeln möchten, indem sie frühzeitig Therapeuten und Ärzte aufsuchen. Diese Eltern möchten sicherstellen, dass sie alles in ihrer Macht Stehende tun, um ihrem Kind zu helfen und die bestmögliche Versorgung zu gewährleisten.

Und dann gibt es diejenigen, die nach Akzeptanz streben. Sie setzen sich das Ziel, so viel Normalität wie möglich aufrechtzuerhalten und versuchen, gelassen zu bleiben. Eltern unternehmen nur das Nötigste und klammern sich an die gewohnten Aktivitäten und Routinen.

In dieser Phase ist es entscheidend, auf deine eigenen Bedürfnisse und Vorlieben zu hören. Es gibt keinen Einheitsansatz, der für alle passt. Stattdessen ist es wichtig, den Weg zu wählen, der am besten zu dir und deiner Familie passt. Was auch immer du wählst, sei es der Austausch mit anderen Eltern, das Streben nach Wissen, das Treffen von Therapieentscheidungen oder das Festhalten an der Normalität: Es ist dein individueller Weg, mit dieser herausfordernden Situation umzugehen. Es gibt keine falsche Wahl, solange sie dir hilft, Unterstützung und Kraft zu finden, um die Herausforderungen zu bewältigen.

Vertrauen, Akzeptanz und Unter­stützung finden

In diesem herausfordernden Prozess ist es von entscheidender Bedeutung, Vertrauen in dich selbst zu entwickeln. Vertraue darauf, dass du im Laufe der Zeit die Fähigkeit entwickeln wirst, die Situation zu bewältigen. Diese Gewissheit kann dir Kraft und Hoffnung geben, wenn du dich überwältigt fühlst. Denke daran, dass du bereits viele Hindernisse in deinem Leben überwunden hast und auch in dieser Situation wirst du Strategien entwickeln, um damit umzugehen.

Ebenso wichtig ist es, dir selbst zu erlauben, deine Gefühle offen auszuleben, ohne dich schuldig oder schämend zu fühlen. Es ist völlig normal, Gefühle wie Wut, Trauer und Frustration zu empfinden, wenn du mit den Herausforderungen der Pflege eines behinderten oder chronisch kranken Kindes konfrontiert bist. Diese Emotionen gehören dazu und sind ein natürlicher Ausdruck deiner Reaktion auf die Situation. Durch das Zulassen und Ausdrücken dieser Gefühle kannst du inneren Druck abbauen und dich emotional entlasten.

Ängste und Verwirrung können oft durch den Erwerb von Wissen und Informationen gemildert werden. Informiere dich über die spezifischen Bedürfnisse und Herausforderungen deines Kindes sowie über mögliche Ressourcen und Unterstützungsdienste. Dieses Wissen trägt dazu bei, Unsicherheiten und Ängste zu reduzieren und gibt dir ein Gefühl der Kontrolle über die Situation.

Dein soziales Netzwerk, bestehend aus Freunden und Verwandten, ist eine wertvolle Ressource. Scheue dich nicht davor, Unterstützung von anderen anzunehmen. Freunde und Familie können eine wichtige Stütze sein und dir helfen, durch schwierige Zeiten zu kommen. Sprich offen über deine Bedürfnisse und lass dich von denen unterstützen, die bereit sind zu helfen.

Gib dir selbst Zeit, um die Situation zu verarbeiten und dich anzupassen. Veränderungen in deinem Leben erfordern Zeit, um sich daran zu gewöhnen und neue Bewältigungsstrategien zu entwickeln. Es ist normal, dass du nicht sofort alle Antworten oder Lösungen hast. Gib dir die Erlaubnis, im eigenen Tempo vorzugehen und Schritt für Schritt voranzukommen.

Schließlich, nutze die Hilfsangebote, die dir zur Verfügung stehen. Das können professionelle Unterstützungsdienste wie Therapeuten oder Beratungsdienste sein, die speziell auf die Bedürfnisse von Eltern von behinderten oder chronisch kranken Kindern ausgerichtet sind. Aber vergiss auch nicht, dass dein soziales Netzwerk, Freunde und Verwandte, ebenfalls eine wertvolle Quelle der Unterstützung sein können. Es ist keine Schwäche, Hilfe anzunehmen, sondern ein Zeichen von Stärke und Klugheit, wenn du die Ressourcen nutzt, die dir helfen können, diese Herausforderungen zu bewältigen.

Mein Kurs „(self) care & empowerment – Wissen, Entlastung und Community“ kann dir ein erster sicherer Hafen für diese aufwühlende Zeit sein.

Sofortmaß­nahmen – SOS-Übungen

Für den Moment, in dem schwierige Gefühle überwältigen, können SOS-Übungen eine schnelle Hilfe bieten. Diese Übungen erfordern nur deine Aufmerksamkeit und sind einfach durchzuführen. Sie können dazu beitragen, dich zu zentrieren und Ruhe zu finden:

Zentrierung:
Nimm deine Gedanken und Empfindungen wahr, ohne sie zu unterdrücken. Kreuze die Arme vor der Brust und spüre sanften Druck. Drücke abwechselnd die Füße in den Boden und atme tief ein und aus.

Bei großer Hilflosigkeit:
Wenn dich das Gefühl übermannt „Ich kann nichts tun, ich bin total aufgeschmissen“, versuche, eine kleine Handlung auszuführen, um aus der Starre zu kommen. Das kann das Zubereiten eines Tees oder das Ordnen von Dingen sein. Auch einfache Spiele, die Ordnung schaffen, können helfen.

Expresshilfe:
Wenn es besonders schnell gehen muss, kannst du starke körperliche Reize verwenden, wie das Waschen der Hände, Kaugummi kauen, kräftiges Klopfen der Arme und Beine oder das Riechen an einem Duft.

Coaching-Trick:
Erinnere dich daran, dass die Person, die du heute bist, nicht alles schaffen muss. Die Person, die du in der Zukunft sein wirst, wird mit den Herausforderungen umgehen können. Denke daran, dass du im Laufe der Zeit mehr Wissen, Strategien und ein unterstützendes Netzwerk aufbauen wirst.

Die Betreuung eines behinderten oder chronisch kranken Kindes kann eine große Herausforderung sein, aber es gibt Wege, um aus der Hilflosigkeit zu kommen. Individuelle Herangehensweisen, Vertrauen, Akzeptanz und SOS-Übungen können dir dabei unterstützen, Kontrolle und Gelassenheit zurückzugewinnen, während du liebevoll für dein Kind sorgst. Denke daran, dass du nicht allein bist und Unterstützung finden kannst, um diese Herausforderungen zu meistern.

Gerne helfe ich dir in meinem kostenlosen Kurs „(self) care & empowerment – Wissen, Entlastung und Community“ – ich freue mich auf dich!

Bildnachweis (Beitragsbild): 1st footage | stock.adobe.com | Dateinummer: 422568409

Bildnachweis (Vertrauen, Akzeptanz, Unterstützung): aicandy | stock.adobe.com | Dateinummer: 629538424

Renate Weyrich

Renate Weyrich

Ich arbeite seit 20 Jahren als Ergotherapeutin mit Kindern und Jugendlichen sowie deren Familien. Als Mutter eines Kindes mit Behinderung kenne ich die Herausforderungen, die eine Familie zu meistern hat.